Erst denken. Dann prompten.
Wer mit KI hadert, hat meist kein Technikproblem, sondern ein Reihenfolgeproblem. Was Loriot damit zu tun hat und wie die Methode Cognitive First in drei Schritten zu besseren Ergebnissen führt.

Von Christian Jakubetz
Wenn es um KI geht, muss ich öfter an den einzigartigen Loriot denken. Und wie er seiner Putzfrau erklärt, die Maxime guter Haushaltsarbeit müsse sein:
Erst denken. Dann handeln.
(Den passenden Clip können Sie sich hier anschauen. Wenn Sie es schaffen, nicht zu lachen, spendiere ich Ihnen ein Eis).
Loriot war Weltmeister darin, die menschliche Neigung u.a. zur Bedeutungshuberei zu entlarven. Trotzdem war der bekennende Pedant Loriot jemand, der diesen vermeintlich so banalen Satz jeden Tag selbst beherzigt hat. Weil er immer noch unschlagbar richtig ist.
Keine Sorge, ich will Ihnen heute keine Vorträge über Loriot halten. Aber diesen Satz vom „erst denken, dann handeln“, den würde ich oft und gerne Menschen unter die Nase reiben, die sich über die Probleme im täglichen Umgang mit KI beklagen. Beispielsweise darüber, dass man nicht die gewünschten Ergebnisse bekomme oder sehr oft „nachprompten“ müsse (ich habe schon mal darüber geschrieben, die ausführliche Version können Sie hier nachlesen).
Das alles ist nicht unbedingt eine Frage der Technik. Sondern des Umgangs damit. Und eine Frage des Wissens darüber, was so eine Maschine kann. Und was eben auch nicht.
Cognitive First: Wie man schnell zu besseren Resultaten kommt
Und genau da setzt etwas an, das ich „Cognitive First“ nenne. Klingt nach Bedeutungshuberei, ich weiß. Loriot hätte vermutlich kurz die Augenbraue gehoben. Im Kern ist es aber nichts anderes als seine Haushaltsmaxime, übertragen auf die Arbeit mit einer Maschine: Erst denken. Dann prompten.
Die meisten machen es umgekehrt. Sie öffnen ChatGPT, Claude oder was auch immer gerade im Browser offen ist, tippen etwas Ungefähres hinein und hoffen, dass die Maschine schon wissen wird, was gemeint ist. Weiß sie aber nicht. Sie kann es auch gar nicht wissen. Also liefert sie etwas Ungefähres zurück. Man ärgert sich, promptet nach, ärgert sich wieder. Am Ende fällt der Satz: „KI kann das halt nicht.“ Doch, kann sie oft. Man hat ihr bloß nicht gesagt, was „das“ eigentlich sein soll.
Cognitive First hat drei Schritte. Raketenwissenschaft ist das nicht. Aber eben auch nichts, was einem irgendein Tool abnimmt.

Erstens: der Mental Anchor. Bevor ich irgendetwas in ein Eingabefeld schreibe, kläre ich für mich: Was will ich eigentlich? Für wen? Wozu? Und woran erkenne ich, dass das Ergebnis gut ist? Klingt banal. Ist es auch. Probieren Sie es trotzdem mal aus: Erstaunlich oft merkt man dabei, dass man es selbst noch gar nicht so genau weiß. Und was man selbst nicht weiß, kann man einer Maschine schlecht erklären.
Zweitens: Micro-Tasking. Statt der Maschine einen riesigen Brocken hinzuwerfen („Schreib mir mal ein Konzept für unseren neuen Newsletter“), zerlege ich die Aufgabe in kleine Schritte. Erst die Zielgruppe. Dann die Themen. Dann die Struktur. Dann der Ton. Jeden Schritt kann ich prüfen, korrigieren oder verwerfen. Das ist nicht umständlicher. Am Ende ist es sogar schneller, weil man nicht dreimal von vorne anfängt.
Drittens: das Chefredakteur-Prinzip. Die Maschine liefert, ich entscheide. Ich lese gegen, streiche, frage nach, lasse umschreiben, und am Ende stehe ich dafür gerade. Ein guter Chefredakteur schreibt ja auch nicht jeden Text selbst, aber er verantwortet jeden. Wer KI-Ergebnisse ungeprüft übernimmt, hat nicht delegiert. Er hat abgedankt.
Ihnen fällt vielleicht auf, dass das Wort „Prompt“ in diesen drei Schritten so gut wie nicht vorkommt. Das ist Absicht. Ich halte wenig von Prompt-Sammlungen, die man sich herunterlädt wie Kochrezepte, und noch weniger von Schulungen, die einem fünfzehn Tools in neunzig Minuten zeigen. Die Tools ändern sich ohnehin alle paar Wochen. Was bleibt, ist die Frage, wer bei der Arbeit eigentlich denkt. Meine Antwort: beide. Aber in der richtigen Reihenfolge.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Das ist kein Plädoyer gegen die Maschine. Im Gegenteil. Wer so arbeitet, holt deutlich mehr aus ihr heraus als jemand, der sie wie einen Wunschautomaten behandelt. Mensch und Maschine sind hier keine Gegner. Sie sind ein ziemlich gutes Team, solange klar ist, wer das Lenkrad hält.
Wer das nicht nur lesen, sondern ausprobieren will: Am 17. November gibt es „Cognitive First Live“, ein Webinar, in dem wir die drei Schritte gemeinsam an echten Aufgaben durchspielen. Alle Infos und die Anmeldung finden Sie hier.
Erst denken. Dann handeln. Loriot hat dafür keine Methode gebraucht. Wir anderen manchmal schon.
(Das Angebot mit dem Eis gilt übrigens weiterhin.)