Besserer Content durch Zuhören
Besser schreiben durch Zuhören? Klingt auf den ersten Blick paradox. Allerdings: Gutes Social Listening ist der beste Redaktionsplan, den man sich vorstellen kann.

Von Christian Jakubetz
Seit über einem Jahr reden und schreiben wir hier in den Content Hacks darüber, wie man guten, besseren und noch besseren Content macht. Und fast immer sind die Hacks irgendwelche stilistischen und manchmal auch technischen. Meistens geht es ums Schreiben, gelegentlich auch um Multimedia, um Formate und sogar mal um KI.
Der womöglich wichtigste Teil ist aber bisher noch nie wirklich besprochen worden – Zeit, das zu ändern: Reden wir übers Zuhören!
Richtig gelesen. Zuhören.
Das ist eine Kunst, die in Zeiten der Dauerbeschallung, der Selbstdarstellung und auch der gelegentlichen Selbstüberhöhung (looking at you, Social Media!) fast vergessen ist. Dabei ist es so einfach, wie ich es schon vor 40 Jahren als damals wirklich noch sehr junger Journalist gelernt habe:
Wer nicht zuhört, hat nichts zu erzählen.Zuhören, klar, das geht am besten im persönlichen Gespräch. Kann man aber auch dann machen, wenn man sich nicht direkt gegenübersitzt. Es gibt enorm viele Möglichkeiten, beispielsweise:
- Mails
- Chats
- Social Media (ja, wirklich, da kann auch zuhören!)
- Foren
- Umfragen
- Votings
Weil, wenn wir mal ehrlich sind: Die Sache mit dem genialen Einfall, der einen nachts um drei wie ein Blitzschlag trifft – erstens gibt es die nur sehr selten und zweitens sollte man sich nicht darauf verlassen. Man wacht nachts um 3 bestenfalls auf, wenn man irgendeinen Unsinn geträumt hat oder Durst hat.
Also, vergessen Sie das. Bessere Idee: Wenn Sie schreiben, dann schreiben Sie für Menschen mit echten Problemen (falls nicht, können Sie mit der Lektüre des Newsletters an dieser Stelle aufhören). Und die verraten Ihnen diese Probleme sogar – Sie müssen nur die Ohren öffnen.
Betreiben Sie Social Listening, aber bitte ohne den pseudowissenschaftlichen Ballast. Gehen Sie dorthin, wo es wehtut: in die Foren, die LinkedIn-Gruppen, die Kommentarspalten. Schauen Sie nach, was die Leute dort wirklich umtreibt. Welche Fragen tauchen immer wieder auf? Wo brennt die Hütte?
Sie können dafür natürlich teure Tools wie Brandwatch oder Talkwalker abonnieren, aber ganz ehrlich: Ein wacher Verstand und ein geschulter Blick in die Timeline reichen oft völlig aus, um den Puls der Zielgruppe zu fühlen. Und: aufrichtiges Interesse. Wer sich für Menschen nicht interessiert, sollte besser nicht für sie schreiben (looking at you, LinkedIn!).
Noch direkter wird es, wenn Sie in Ihr eigenes Postfach schauen. Jede Support-Anfrage, jede kritische E-Mail und jeder Kommentar unter Ihren Beiträgen ist eine potenzielle Headline. Wenn drei Leute dasselbe Problem schildern, haben dreihundert andere dasselbe Problem, ohne es auszusprechen. Das ist kein Zufall, das ist Ihr Redaktionsplan.
Und wenn alle Stricke reißen? Dann wählen Sie den radikalsten Weg von allen: Fragen Sie doch einfach mal! Gehen wir den direkten Weg, ohne Umwege durch die Analyse-Hölle. Schmeißen Sie eine kurze Umfrage via Typeform oder Google Forms in die Runde. Ein schlichtes „Was interessiert Sie gerade brennend?“ liefert Ihnen mehr echte Einblicke als jede Trend-Statistik. Reden Sie mit Ihren Lesern, statt nur über sie.