Content Hacks: die 2+1-Regel für starke Sätze
Weniger ist mehr. Eine wunderbare Regel, die in den meisten Bereichen des Lebens gilt. Vor allem, wenn es um Medien und Kommunikation und Sprache geht. Man kann mit Wortgeklingel, Girlandensätzen und anderen stilistischen Krankheiten jedes noch so gute Argument selbst erdrosseln.

Von Christian Jakubetz
Die Älteren werden sich noch an Karl-Heinz Rummenigge erinnern. Nach seiner aktiven Zeit und vor seiner Funktionärsphase war er auch mal Co-Kommentator und Experte bei den Spielen der Nationalmannschaft. Rummenigge wirkte dabei in etwa so inspiriert wie ein Bayern-Spieler nach einer Auswechslung nach 44 Minuten. Zumal Rummenigge eine anstrengende Macke hatte: Er wiederholte Worte, die ihm wichtig waren, damit ja auch jeder begriff, dass sie wichtig sind.
Und das war wirklich SEHR, SEHR NERVIG!
Verständlich also, dass Rummenigge sowohl als Spieler als auch als Bayern-Funktionär erheblich erfolgreicher war als zu seiner Kommentatorenphase, die WIRKLICH WIRKLICH nur SEHR SEHR kurz war.
Dumm nur, dass in vielen, in SEHR, SEHR VIELEN von uns ein kleiner Rummenigge steckt (leider der Kommentaroren-Kalle und nicht der Spieler). Die Verlockung ist ja auch groß: Ist man nicht geradezu verpflichtet, die Bedeutung eines Gedankens, eines Begriffs durch Wiederholungen und Verstärkungen noch einmal besonders zu betonen?
Vorsicht vor dieser Idee: Man nervt zwar nicht vielleicht so heftig wie der sehr, sehr bedeutsame Rummenigge. Aber man erzielt einen paradoxen Effekt:
Wer an ein starkes Wort zwei schwache hängt, schwächt den gesamten Gedanken.
Der Grund ist simpel: Ein starkes Wort braucht Platz, um wirken zu können. Zwei oder drei oder noch mehr angehängte schwache Begriffe lenken ab und verwässern den Satz.
Noch dazu, wenn es sich dabei um Adjektive handelt. Adjektive sind Weichmacher,schrieb Wolf Schneider gerne. Oder als Metapher gedacht: Ein Tropfen Parfum ist wunderbar. Drei Tropfen wirken aufdringlich und ruinieren den Gesamteindruck.
Zwei neutrale Wörter, dann ein starkes
Dafür gibt es auch eine einfach zu merkende Regel: die 2+ 1-Regel. Sie besagt: zwei neutrale Wörter. Dann ein starkes. „Das Projekt scheiterte“ ist eine klare Ansage, „scheitern“ kann man nicht verstärken. „Das Projekt scheiterte aufgrund von blablabla", ist das Rummenigge-Syndrom: SEHR, SEHR!
Ja, aber, werdet ihr einwerfen wollen: Der Zusatz war doch nur die Erklärung, warum das Projekt scheiterte. Stimmt. Lasst den Satz dennoch so stehen. Die Erklärung packt ihr dann in den nächsten Satz.
Wenn der ebenfalls stark und deutlich formuliert ist – umso besser!