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    Die Teebeutel-Methode

    Komm auf den Punkt! Ich ertappe mich regelmäßig dabei etwas ungeduldig zu werden, wenn Menschen etwas ausschweifend ein Thema erzählen. Etwas, was uns in unserer Branche nicht passieren kann? Keineswegs. Man stolpert immer wieder über Texte, bei denen man sich denkt: Wäre eine spannende Geschichte gewesen - wenn sie auch nur halbwegs stringent erzählt worden wäre. Von Christian Jakubetz.

    Aber warum ist das so schwer, eine Geschichte zu erzählen (vulgo: einen stringenten Text zu schreiben)? Meine Theorie: Viele wollen viel zu viel. Hier noch ein Halbsatz, da noch eine Zusatzinfo. Ich habe mal mit einer Autorin zusammengearbeitet, die es geschafft hat, jedes noch so gute Thema mit ihren Satz- und Wortgirlanden zu erdrosseln. Ihr habe ich dann mal von einem Trick erzählt, der ganz einfach und dennoch wirkungsvoll ist:


    Die "Teebeutel-Methode"


    Die "Teebeutel-Methode" ist ein Kniff, der die Lesbarkeit und Effizienz Ihrer Texte drastisch verbessert. Sie stellt sicher, dass Ihre Leser die wichtigste Information eines jeden Absatzes sofort erfassen können, selbst wenn sie nur flüchtig scannen.Wie Sie die "Teebeutel-Methode" anwenden


    • Fokus finden: Bevor Sie einen neuen Absatz schreiben, fragen Sie sich: Was ist die eine zentrale Aussage des Absatzes?
    • Direkt starten: Beginnen Sie den Absatz sofort mit dieser zentralen Aussage.
    • Schlecht: „In den letzten Monaten gab es viele Diskussionen über die Effizienz von E-Mail-Newslettern, und eine Studie der Nielsen Norman Group hat nun interessante Ergebnisse dazu geliefert.“
    • Gut: „E-Mail-Newsletter sind effektiver als viele glauben, zeigt eine neue Studie der Nielsen Norman Group.“
    • Details folgen lassen: Ergänzen Sie danach die Details, Begründungen, Beispiele oder weiterführenden Informationen, die den ersten Satz unterstützen.
    • Testen Sie den „Absatz-Scan“: Lesen Sie nur den ersten Satz jedes Absatzes Ihres Textes. Ergibt er einen sinnvollen Überblick über den gesamten Inhalt? Wenn ja, haben Sie die Teebeutel-Methode erfolgreich angewendet!

    Schreib es so, als wenn du es mir erzählen würdest


    Neben dem Teebeutel auch ein Tipp, den ich über die ganzen Jahre immer wieder gerne gegeben habe: Schreib die Geschichte so, als wenn du sie mir erzählen würdest. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das nach 40 Jahren im Job noch einmal herauskramen muss. Aber speziell bei Plattformen wie LinkedIn kursieren gerade ganz gruselige vermeintliche Style-Tipps: 

    • Mach einen Hook!
    • Mach die Absätze X und Y Zeilen lang!
    • Keine Bindestriche!
    • CTA am Ende nicht vergessen!

    Klar, kann man schon machen. Aber das ist kein eigener Stil, es ist leseunfreundlich, viel zu technisch gedacht, und man ist zudem so wiedererkennbar wie eine Erbse in einer 500-Gramm-Packung Erbsen.

    Also, vergessen Sie den ganzen Quark, den bestenfalls ein Algorithmus geil findet, mit dem Sie aber ansonsten zuverlässig ihre Leser ins Land der Träume befördern.

    Stellen Sie sich also stattdessen vor: Sie haben ein richtig gutes Thema, eine spannende Geschichte. Und die wollen Sie jemandem in einer persönlichen Begegnung erzählen. Würden Sie sich da wirklich einen Hook überlegen? Über die Länge der Sätze nachdenken? Und am Ende fragen: Und, wie siehst du das so? Falls Sie das jetzt alles mit ja beantworten, stelle ich mir ein Gespräch mit Ihnen nicht so prickelnd vor.

    Erzählen Sie also. Bleiben Sie bei der Geschichte. Lassen Sie das Thema für sich sprechen und nicht irgendwelche Hooks und CTAs. Solange Sie bei der Sache bleiben und an den Teebeutel denken, wird alles gut!