KI erobert den Alltag, Streaming-Wachstum stagniert erstmals
Einmal im Jahr liefert die ARD/ZDF-Medienstudie den ultimativen Check-up zur Mediennutzung in Deutschland.Der aktuelle Bericht für das Jahr 2026 zeigt: Die Transformation der Medienwelt geht weiter, aber mit neuen Vorzeichen. Und noch mehr: Gerade mal gewonnene Erkenntnisse stehen schon wieder in Frage.

Von Christian Jakubetz
Auf LinkedIn feierte das ZDF zuletzt bereits die neuesten Meilensteine – darunter den massiven Erfolg der hauseigenen Streaming-Plattformen. Doch ein tieferer Blick in die Studiendaten offenbart noch viel spannendere Details über KI-Adaption, schwindende Audio-Zeiten und Generationengräben im Medienkonsum. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse der aktuellen Erhebung für euch zusammengefasst.
1. Künstliche Intelligenz ist im Mainstream angekommen
Die Nutzung von KI-Tools nimmt in Deutschland mittlerweile massiv an Fahrt auf. Inzwischen nutzen 59 Prozent der Menschen in Deutschland zumindest gelegentlich derartige KI-Anwendungen. Die Studie offenbart dabei allerdings ein starkes Altersgefälle. Die Tools sind im Alltag der Deutschen zwar angekommen, jedoch noch nicht in allen Altersgruppen gleichermaßen etabliert.
2. Öffentlich-Rechtliches Streaming knackt historische Marke
Ein Erfolg für die Sender: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung nutzt inzwischen die öffentlich-rechtlichen Streaming-Angebote. Klar ist damit aber auch: Das lineare TV spielt auch für die Öffis eine zunehmend geringere Rolle. Was mach daran erkennt, dass mittlerweile die Erstausstrahlung von großen Formaten immer öfter in den Mediatheken stattfindet. Zuletzt war das beispielsweise bei der finalen Staffel von „Babylon Berlin“ der Fall. Und sogar der heilige Tatort steht jetzt schon immer freitags in der Mediathek bereit. Das wäre vermutlich vor einem Jahr noch ein Sakrileg gewesen.
Trotz dieses Erfolgs der TV-Mediatheken zeigt sich im Gesamtmarkt ein bekanntes Bild: Wenn es um das Streaming von Video und Audio geht, bleiben YouTube und Spotify nach wie vor die wichtigsten Plattformen.
3. Tages- und Wochenreichweiten: Streaming schlägt lineares TVMedia Perspektiven
Der langfristige Wandel von linearen zu non-linearen (On-Demand-)Formaten hält auch 2026 an, allerdings fallen die Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr mittlerweile moderater aus.
- Video-Nutzung: An einem durchschnittlichen Tag liegen das lineare Fernsehen (56 Prozent Tagesreichweite) und non-lineare Videoangebote (55 Prozent) fast gleichauf. Blickt man jedoch auf die regelmäßige, wöchentliche Nutzung, zieht das Streaming vorbei: 79 Prozent nutzen mindestens wöchentlich non-lineare Videodienste, während das klassische lineare TV auf 71 Prozent kommt.
- Audio-Nutzung: Hier ist das lineare Format bei der täglichen Nutzung noch dominanter. Das klassische Radio kommt auf eine Tagesreichweite von 60 Prozent, non-lineare Audioangebote auf 35 Prozent. Bei der Wochenreichweite liegen jedoch auch hier das lineare Radio (76 Prozent) und die non-lineare Audionutzung (75 Prozent) fast auf demselben Niveau.
4. Der Generationen-Gap: Jung streamt, Alt schaltet ein
Zudem verdeutlicht die Studie, wie stark die Medienlandschaft altersabhängig fragmentiert ist:
- 14- bis 29-Jährige: In der jüngsten Zielgruppe macht die non-lineare Nutzung gewaltige 88 Prozent der gesamten Videonutzungsdauer aus. Auch im Audiobereich dominieren bei ihnen non-lineare Formate (wie Podcasts und Musik-Streaming) mit einem Anteil von rund zwei Dritteln an der Nutzungszeit.
- 50- bis 59-Jährige: In der Mitte der Gesellschaft wendet sich das Bild. In dieser Altersgruppe entfallen bereits wieder über 60 Prozent der Zeit auf das klassische, lineare Fernsehen.
- Ab 70-Jährige: Bei älteren Zielgruppen klettert der Anteil des linearen TVs sogar auf über 90 Prozent. Auch die Audionutzung besteht bei ihnen fast ausschließlich aus klassischem Radiohören.

5. Nutzungsdauer: Audio verliert massiv Zeit, Video-Boom stagniert
Einen der spannendsten Insights liefert der Blick auf unser Zeitbudget:
- Die Gesamtdauer der Videonutzung ist im Vergleich zum Jahr 2023 weitgehend konstant geblieben und verzeichnet lediglich einen minimalen Rückgang von 4 Minuten.
- Die für Audioinhalte aufgewendete Zeit ging jedoch massiv zurück – um spürbare 24 Minuten.
- Zudem war im Jahr 2026 erstmals kein weiterer Anstieg bei der non-linearen Videonutzungsdauer zu verzeichnen.Der rasante Transformationsprozess hin zum Streaming scheint sich hier zumindest etwas zu verlangsamen.
- Insgesamt betrachtet hat das lineare Format in der Gesamtnutzungsdauer immer noch die Nase vorn: Das lineare Radio macht über zwei Drittel der gesamten Audio-Nutzungsdauer aus, und auch das lineare Fernsehen erreicht im Videobereich nach wie vor etwas mehr als die Hälfte der gesamten Nutzungsdauer.
Hintergrund zur Studie: Die ARD/ZDF-Medienstudie wird jährlich von der ARD/ZDF-Forschungskommission beauftragt, um Grundlagen und Trends zur Mediennutzung zu erheben. Für die aktuelle Datenlage hat das Institut GIM zwischen dem 27. Januar und dem 19. April 2026 insgesamt 2.462 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren in Deutschland befragt.