Schöner lesen (mit ein paar simplen Tricks)
Was hilft der schönste Inhalt ohne entsprechende Verpackung? Eine Frage, die man sich in der Schokoladenindustrie genauso stellen kann, wie wir Medienmenschen sie uns gelegentlich stellen sollten. Deswegen heute: ein paar Tipps, wie man gute Texte so verpacken kann, dass sie wirklich gelesen werden.

Von Christian Jakubetz
1. Zwischenüberschriften: Der Text braucht Haltegriffe
Ja, ich weiß, beim Thema Zwischentitel denken Sie jetzt womöglich an diese SEO-Nummer. Zwischentitel mit vielen Keywords, das bringt Reichweite, weil SEO das liebt. Aber, Achtung, jetzt kommt der analog aufgewachsene Ex-Zeitungsmann in mir zum Vorschein: Zwischentitel, liebe Kinder – das haben wir schon gemacht, als nicht mal die abgedrehtesten Zukunftsforscher auf die Idee gekommen wären, dass es mal so etwas wie Internet und SEO geben könnte.
Für Zwischentitel gab (und gibt) es andere gute Gründe. Sie geben Texte Struktur. Sie machen sie leichter lesbar. Und sie sorgen dafür, dass Menschen weiterlesen. Ein Text mit kleinen Zwischenetappen wirkt leichter zu bewältigen als einer, der mühsam, staubig, steinig erscheint. Niemand mag Bleiwüsten, selbst in Zeiten nicht, in denen Blei schon lange nicht mehr verwendet wird, um Medien zu machen. Also, immer her mit den Zwischentiteln. Ihre Leser werden es Ihnen danken (und SEO natürlich auch).
Allerdings: Ein Zwischentitel ist nicht per se gut, nur weil es ein Zwischentitel ist. Ein wenig Anreiz zum Weiterlesen sollten sie schon geben, so wie „richtige“ Überschriften auch. Ein paar Beispiele:
Gut:
- kurz (max. 8 Wörter)
- konkret („So schreibst du bessere Überschriften“)
- neugierig („Warum niemand deinen Text liest – und wie du das änderst“)
Schlecht:
- vage („Einleitung“, „Fazit“)
- inhaltsleer („Ein paar Gedanken dazu“)
2. Absätze: Luft zum Atmen
Vor kurzem habe ich mich amüsiert: Ich hatte einen Text redigiert, von dem ich mir dachte, dass er gut sein könnte. Irgendwie wurde ich aber das Gefühl nicht los, ihn nicht ganz zu begreifen. Zunächst zog ich das eigene Spatzenhirn als möglichen Grund in Erwägung. Dann aber habe ich in die etwas arg langen Textblöcke noch ein paar Absätze eingebaut. Und siehe da: Schon hat sich das besser, schneller, flüssiger gelesen. Und verstanden habe ich das auch gleich viel besser.
Ist es möglich, dass Optik das Verständnis beeinflusst, obwohl der Inhalt immer der gleiche ist?
Aber sowas von!
Ich bin kein Neurowissenschaftler, deshalb nur die simple Erklärung. Erstens, siehe oben, wirken lange Blöcke ohne Auflockerung abschreckend. Zweitens kann man durch Absätze wunderbar signalisieren, wenn ein Gedanke, eine Idee endet. Deswegen gibt es dafür auch eine simple und leicht zu merkende Regel:
Ein Gedanke = ein Absatz. 3–4 Zeilen reichen.
Und noch ein Kniff, den ich persönlich sehr liebe.
Lass einfach einen Satz mal eine Zeile stehen (und fette sie)!
Das unterstreicht, dass es sich um einen wichtigen Gedanken handelt (der sollte dann aber auch wirklich wichtig sein, nur Standalone und fetten alleine ist ein bisschen sinnlos).
Aber Achtung: Weniger ist mehr. Keine Formatierungs-Party!
3. Listen für den Überblick
Listen helfen beim Scannen – und machen Inhalte sofort verständlich.
Ideal für:
- Vorteile / Nachteile
- To-do-Listen
- Schritt-für-Schritt-Anleitungen
- Merksätze
(Sehen Sie?)
4. Guter Anfang, starkes Ende
Speziell bei LinkedIn sind gerade mal wieder alle auf der Suche nach dem perfekten Hook (Spoiler: Es gibt ihn nicht).
Trotzdem: Ein guter Einstieg ist wichtig, auch das weiß man, siehe oben, schon seit Prä-Netz-Zeiten (manche Dinge ändern sich eben nie). Was man dabei gerne mal vergisst: Das Ende entscheidet zum einen darüber, wie du in Erinnerung bleibst. Und auch darüber, ob und wie es weitergeht. Wenn man will, dass danach noch irgendwas passiert, sollte man es der Userschaft auch sagen. Sonst wird das nichts mit Engagement und Interaktion.