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    Social Media - ein Abgesang

    Social Media hat sich schon lange nicht mehr so verändert wie jetzt in den Zeiten der KI-Slops. Es geht zunehmend weniger um Social (im Sinne von gemeinsam), als um das wegbingen von Content. Für Medienmenschen eine echte Chance!


    Die aufmerksamen Leser (und natürlich alle *innen) wissen das: Vor ein paar Wochen war in diesem Newsletter schon einmal die Rede von der sich seuchenartig ausbreitenden Pest der KI-generierten Schwachsinnsinhalte. Nein, nicht die Fakes in der großen Politik, sondern der Alltagsnonsens: Paul McCartney singt Phil Collins am Sterbebett Lieder vor, lauter so ein Bullshit. Was klingt, wie lästige Begleiterscheinungen der KI, ist in Wirklichkeit:

    Der Sargnagel: Die Slop-Ära sorgt für Anti-Social-Media!

    Die große, bunte Welt von KI-Social-Media: Schweine im Weltall und kämpfende Kühe, das ist die harmlose, wenn auch meistens extrem flache Version. Oder aber: Bruce Springsteen crasht eine PK im Weißen Haus, Neil Diamond und Phil Collins singen gemeinsam im Rollstuhl – und dazu unendlich viele Tour-Ankündigungen, die alle den schönen Titel „One last Ride“ tragen und wahlweise von den Stones, Springsteen, Dylan und anderen alternden Helden gemacht werden. Nichts davon ist wahr, alles ist KI-generiert, herzerweichend schlecht und eigentlich alles auch für Ungeübte sofort als Nonsens erkennbar.

    Man könnte das für ein vorübergehendes Phänomen halten, so wie die immer wieder mal auftretenden Hoaxes wie solche, dass man umgehend den neuen AGB von Facebook widersprechen soll. Und es wäre auch weiter nicht schlimm, bestenfalls nervig. Wenn es nicht zwei grundlegende Unterschiede zu den Hoaxes gebe.

    1. Der Slop lässt sich schnell, billig und in gigantischen Mengen produzieren. Dementsprechend einfach ist es, die Plattformen zu fluten. Gefühlt ist inzwischen mehr KI-Fake als echter Inhalt unterwegs (bitte beachten Sie bei letzterem Satz die Einschränkung „gefühlt“).
    2. Schon bei den unausrottbaren Hoaxes musste man ja darüber staunen, welchen Blödsinn Menschen zu glauben bereit sind. Nur so konnten diese digitalen Kettenbriefe ja überhaupt funktionieren. Beim KI-Slop dreht sich die Spirale leider noch einmal erheblich schneller. Massenweise Repostings und vor allem Kommentierungen, der Algorithmus liebt es.

    Das alles ändert die Idee der Plattformen grundlegend: Aus Social Media wird Binge Media, aus der Gemeinschaft ein algorithmengetriebenes Wegbingen von Inhalten.

    Die TikTokisierung hat alle anderen erfasst, wie ein hochansteckendes Virus. Die ursprüngliche Idee der Vernetzung (Social Graph) ist längst dem Algorithmus zum Opfer gefallen. Social Media wurde zu einem Medium, in dem die menschliche Komponente eine immer kleinere Rolle spielt.

    Die Plattformen sind optimiert auf den passiven Konsumenten und auf maximale Verweildauer.Sie belohnen nicht die Qualität, sondern die emotionale Reizüberflutung. Die neue digitale Kluft trennt nicht nur nach Zugang, sondern nach kognitiver Fähigkeit und Anspruch. Wer bleibt, lässt sich widerstandslos durch den „Slop“ (KI-generierter Content) und Binge Media ziehen.

    Artikelinhalte

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    Meta-Mann Mark Zuckerberg hat unlängst von einer „dritten Ära“ der Plattformen gesprochen. Was Zuck damit meint, ist der finale Schlag: KI übernimmt nicht nur die Kuration, sondern die Produktion von Inhalten.

    Der Produktions-GAU: KI automatisiert das Erstellen und Remixen von Content und macht menschliche Creators damit überflüssig. Die Plattformen können in Zukunft theoretisch komplett ohne anstrengende Menschen auskommen, um ihre Werbeflächen zu füllen.

    Die Höllenmaschine kämpft gegen sich selbst: YouTube baut generative Videomodelle direkt in Shorts ein. Facebook, Instagram und TikTok werden zum Schauplatz einer gigantischen Schlacht algorithmisch optimierter, KI-generierter Inhalte. Das ist kein soziales Netzwerk mehr, das ist ein selbstfahrender Content-Mischer. Ein KI-getriebenes Perpetuum mobile.

    Bleib beim Bot!

    Was passiert, wenn der Mensch mit all seiner Fehlbarkeit, seinen Ecken, Kanten, Macken, aus den Netzwerken zunehmend verschwunden ist? Die Nutzer suchen nach Ersatz. Das Zeitalter der Anti-Social Media ist da. Die Folge dieses sterilen Matsches ist die Abkehr vom öffentlichen Leben hin zum Privaten – oder zur Maschine.

    Wer in diesen entfremdeten Dopamin-Maschinen keine echten menschlichen Verbindungen mehr findet, sucht Ersatz in der Künstlichen Intelligenz (AI Companionship). Die Plattformen sind so kaputt, dass wir Nutzer lieber die emotionale Befriedigung einem Bot suchen, als uns weiter der realen, frustrierenden Social-Media-Masse auszusetzen. Die Kollegen von Zeit Wissen haben übrigens erst unlängst einen Podcast veröffentlicht, in der eine durchaus intelligente Frau ihre Liebesbeziehung zu ChatGPT beschrieb (nein, das ist kein Witz).

    Neue Chancen und Perspektiven für Medienmenschen

    Die Leser dieses Newsletters ahnen: Mit diesem überaus düsteren Ausblick wollen wir Sie natürlich nicht entlassen. Warum auch? Es gibt schließlich eine ganze Reihe neuer Perspektiven und Chancen, die sich auch hinter der Slop-Ära verstecken (und wie immer mein Liebligsbeispiel: Streaming hat Vinyl nicht kaputtbekommen).

    Ende der Sklavenarbeit: Die Zeit des Bauens von „Sandburgen auf fremdem Grund“ (also der Aufbau von Reichweite auf fremden Plattformen, die dann die Spielregeln ändern) ist vorbei. Die neue Devise heißt Unabhängigkeit: Fokus auf Kanäle, die Sie selbst kontrollieren (Newsletter, eigene Community-Software, Apps).

    Renaissance des Direkten: Sie können endlich wieder eine direkte, vertrauensvolle Kundenbeziehungaufbauen, ohne dass ein gieriger Algorithmus oder ein KI-Slop-Filter dazwischensteht. E-Mail und direkte Community-Räume sind die neuen „sozialen“ Netzwerke.

    Ertrag durch Tiefe: Der ökonomische Druck, auf quantitativen Klick-Druck zu optimieren, fällt weg. Stattdessen können Sie über Mitgliedschaften und Abos direkt Geld verdienen und sich so auf die qualitativ hochwertigen, nischenspezifischen Inhalte konzentrieren, die wirklich einen Mehrwert bieten.

    Menschliche Anker: Nutzen Sie die Abwesenheit von Menschlichkeit im KI-Matsch als Ihren größten Wettbewerbsvorteil. Ihre Mitarbeiter, Ihre Gründer – echte Menschen – werden zu den wertvollsten Kommunikations-Assets und Vertrauensankern.

    Der physische Anker: Die Rückbesinnung auf physische Datenträger und Erlebnisse ist die ultimative Absage an die Flüchtigkeit des algorithmischen Feeds. Das echte Buch im Regal, die Vinylplatte auf dem Plattenspieler – sie sind manifestierte Aufmerksamkeit. Sie sind Besitz, den kein Algorithmus dir wegnehmen kann und der nicht plötzlich aus dem Feed verschwindet. Die Intelligenz zeigt sich heute nicht mehr darin, wie viele Accounts du folgst, sondern in deiner Fähigkeit, die richtigen Medien zu erkennen, sie zu fördern und – wo nötig – sie auch physisch in deinem Leben zu verankern.

    Am Ende läuft es auf eine simple Frage raus: Folgst du der Höllenmaschine, oder den Menschen, denen du vertraust?