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    Warum mehr KI keine Lösung ist

    Von Christian Jakubetz

    Mal Hand aufs Herz: Wie viele KI-Tools verwenden Sie so in Ihrem Leben? 2? 5? 37?

    Und noch einmal Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie sich schon gedacht, dass das irgendwie ineffizient ist, was Sie da so machen mit dem ganzen KI‑Zeug? Verbunden mit dem Gedanken, dass das, was Sie da machen, schneller und besser gegangen wäre, wenn Sie es gleich selbst gemacht hätten, und das alles ganz ohne KI?

    Sie können es ruhig zugeben, ohne sich dabei denken zu müssen, dass Sie irgendwie den Anschluss an moderne Zeiten verloren haben. Weil es vermutlich kaum jemanden gibt, dem dieser Gedanke nicht schon mal wenigstens flüchtig durch den Kopf geschossen wäre. Mir passiert das immer dann, wenn ich verzweifelt versuche, aus so einer gottverdammten Maschine ein besseres Ergebnis rauszuprompten. Ich formuliere präziser, noch präziser, vermeintlich am präzisesten, und habe am Ende so viel Zeit verbraucht, dass Kopfarbeit von Hand mindestens genauso gut gewesen wäre.

    Auch fein: Wenn man so viele Tools für einen Vorgang nutzen muss, dass man kurzfristig den Überblick verliert. Außerdem landet man als Mensch mit einem gewissen Maß an Lebensjahren und der daraus resultierenden Lebenserfahrung fast zwangsweise bei der Frage, wie zur Hölle man das früher gemacht habe. Da ging es doch auch. Was allerdings ein mäßig gutes Argument ist. Früher fuhr man auch mit dem 4-Gang-Golf und einer Landkarte auf Papier durch halb Europa und kam irgendwann ans Ziel. Muss man aber trotzdem nicht mehr haben, diese Zeiten.

    Navi ohne Ziel

    Was also tun? Um im Bild zu bleiben: Die Landkarte will keiner zurück, das Navi aber auch nur, wenn man weiß, wo man hinwill. Wer ohne Ziel losfährt, kommt mit Navi bloß schneller nirgendwo an.

    Das Problem lässt sich also einkreisen: zu wenig Output für viel Input, und gleichzeitig ein ziemlicher Tool-Wildwuchs. Zumindest dann, wenn man unter dem Einsatz von KI mehr versteht als gelegentlich ChatGPT anwerfen.

    Apropos anwerfen: „Ich frag mal die KI“ ist das neue „eben mal googeln“. Doch wie schon beim Nutzen der guten und inzwischen auch reichlich alten Suchmaschine muss man erst einmal wissen, was man wissen (und machen) will. Der Herr Bundeskanzler hat vergangene Woche unfreiwillig gezeigt, woran es oft hakt: „Zeig mir, wie Olympia in Deutschland aussieht.“ Das ist so ein Standard-Prompt, bei dem die Wahrscheinlichkeit für das gewünschte Ergebnis in etwa so groß ist wie für einen hohen Lotto-Gewinn.

    Bessere Prompts? Bessere Fragen.

    Jetzt könnte man natürlich sagen: Na gut, dann eben bessere Prompts. Kurse dafür gibt es inzwischen an jeder Ecke, Listen mit den „50 besten Prompts für Ihr Marketing“ ohnehin. Nur: Was hätte dem Kanzler ein besserer Prompt genützt? Mit „fotorealistisch, 16:9, Abendstimmung, volles Stadion“ wäre das Bild hübscher geworden. Sinnvoller nicht. Weil die eigentliche Frage nie gestellt wurde: Was will ich da eigentlich sehen, und wozu? Ein Stadion? Die Kosten? Eine Stadt, die sich bewerben will, und wie sie sich dabei fühlt? Diese Frage beantwortet keine Maschine. Die muss man sich vorher selbst beantworten.

    Damit sind wir beim eigentlichen Punkt. Ein guter Prompt ist keine Technik. Er ist das Nebenprodukt von Denkarbeit, die vorher passiert ist. Wer sie gemacht hat, schreibt gute Prompts fast nebenbei. Wer sie nicht gemacht hat, dem hilft auch der beste nicht.

    Erst denken, dann delegieren

    Bei Universalcode heißt dieses Prinzip Cognitive First.

    Klingt nach Beratersprech, ich weiß. Gemeint ist etwas ziemlich Bodenständiges: Das Denken kommt zuerst, die Maschine danach. Und zwar nicht als frommer Vorsatz, sondern in drei Schritten, die sich üben lassen.

    Erstens: der Anker. Bevor irgendein Tool läuft, steht ein Gedanke, den man in zwei, drei Sätzen aufschreiben kann. Was soll am Ende rauskommen, für wen, und woran merke ich, dass es gut ist? Wer das nicht hinkriegt, weiß noch nicht, was er will, und sollte die Maschine auch noch nicht fragen. Wir nennen das den Mental Anchor.

    Zweitens: die Etappen. „Schreib mir ein Konzept“ ist kein Auftrag, sondern ein Stoßgebet. Große Aufgaben werden in kleine zerlegt, jede klar umrissen und jede einzeln überprüfbar. Die Recherche ist eine Etappe, die Gliederung eine zweite, der erste Entwurf eine dritte. Nebeneffekt: Plötzlich ist auch klar, welches Tool wofür da ist und welche man getrost wieder abbestellen kann. Das ist Micro-Tasking.

    Drittens: die Abnahme. Am Ende sitzt ein Mensch und entscheidet, was taugt. Kein Korrekturleser, der Kommas sucht. Eher ein Chefredakteur, der fragt: Stimmt das? Brauchen wir das? Ist das unser Ton? Die Maschine liefert zu, die Verantwortung übernimmt sie nicht. Daher der Name: das Chefredakteur-Prinzip.

    Warum ausgerechnet so?

    Dass man vor dem KI-Einsatz besser nachdenkt, ist keine Raketenwissenschaft. Eine MIT-Studie hat sogar gezeigt, dass die Reihenfolge messbar etwas ausmacht. Die Kunst liegt woanders: darin, aus einem vernünftigen Vorsatz ein Arbeitsverfahren zu machen, das man im Alltag tatsächlich durchhält. Auch dann, wenn der Termin drückt und die Maschine so verführerisch schnell ist.

    Und da kommt unsere Herkunft ins Spiel. Was heute Cognitive First heißt, haben wir nicht in einem Tech-Lab gelernt. Wir haben es jahrzehntelang in Redaktionen erlebt. Dort war es immer schon so: Bevor jemand schreibt, klärt eine Konferenz, was die Geschichte eigentlich ist. Dann wird verteilt, Recherche hier, Fotos da, Grafik dort. Und am Ende liest jemand gegen, der die Verantwortung trägt. Redaktionen sind seit jeher darauf trainiert, mit schnellen, fleißigen, aber nicht immer zuverlässigen Zulieferern zu arbeiten. Genau das ist KI: der fleißigste Volontär der Welt. Mit dem kleinen Unterschied, dass er nie zugibt, wenn er etwas nicht weiß.

    Wir haben bei Universalcode also eine Arbeitsweise, die sich in Redaktionen über Jahrzehnte bewährt hat, in eine Zeit übersetzt, in der plötzlich jeder ein komplettes Redaktionsteam auf dem Rechner hat. Nur eben keinen Chefredakteur.

    Und jetzt?

    Zurück zur Frage vom Anfang: 2, 5 oder 37 Tools? Ehrlich gesagt ist die Zahl ziemlich egal. Wer weiß, wo er hinwill, kommt mit erstaunlich wenigen aus und merkt schnell, welche davon nur Beschäftigungstherapie waren. Wer es nicht weiß, dem helfen auch 38 nicht.

    Darin steckt vielleicht die eigentlich gute Nachricht. Die wichtigste KI-Kompetenz ist keine neue. Sie heißt Urteilsvermögen, und die meisten von uns haben sie längst. Sie gerät nur gerade unter die Räder, weil die Maschine so verdammt schnell antwortet. Man muss sie nicht neu lernen. Man muss sie nur wieder an den Anfang stellen.

    Wer das ausprobieren will, ohne gleich das halbe Weiterbildungsbudget fürs nächste Jahr zu verplanen: Am 17. November zeigen wir in 90 Minuten live, wie Cognitive First an einer echten Aufgabe funktioniert. Einmal klassisch, einmal mit Methode, mit laufender Stoppuhr. Das Ticket kostet 79 Euro, bis 1. November nur 59 Euro. Und wer danach mit seinem Team weitermachen will, bekommt es angerechnet. Buchung: hier!

    Für Teams gibt es außerdem die Cognitive-First-Team-Session: drei Stunden, Ihre eigenen Aufgaben und am Ende eine ehrliche Einschätzung, wo bei Ihnen am meisten zu holen ist. Beides finden Sie auf universalcode.online.

    P.S. Wer erst mal unverbindlich reinschnuppern will: Am 21. Oktober schauen wir uns in der Mittagspause die Medientrends 2027 an. Eine Stunde, ohne Buzzword-Bingo. Anmeldungen: hier.